St. Georgen – Ob und wie Musik beim Publikum ankommt, liegt zum einen am Zeitgeist, an den Kompositionen und zum anderen an den Interpreten. Beim Konzert des Kammerorchesters St. Georgen am späten Sonntagnachmittag stimmte alles, denn der Saal der Veranstaltungshalle füllte sich zusehends. Das Kammerorchester zog mit Werken von Johann Sebastian Bach nicht nur die Abonnenten der städtischen Veranstaltungsreihe Kunst und Kultur an. In der Stadthalle waren auch viele an der Barockmusik interessierte Zuhörer anzutreffen.

Sieht man einmal davon ab, dass die Stadthalle eben kein Konzertsaal ist, wodurch die Akustik eher gedämpft daherkommt, bietet sie auch für Musiker einen guten Rahmen. Das Orchester, einst vom Instrumentalkreis zum Kleinen Kammerorchester firmiert, ist ein Jahr nach der Gründung als Kammerorchester St. Georgen unter der Stabführung von Reinhard Ziegler zum personell großen Ensemble angewachsen.

Johann Sebastian Bach, von vielen als Komponist zahlreicher Kirchenmusikwerke geschätzt, komponierte auch weltliche Musik. So entstanden Suiten, Sonaten und Konzerte mit unterhaltendem Charakter. Auch sie sind technisch so ausgefeilt, dass sie ihre Interpreten tüchtig herausfordern. So ist die Orchestersuite h-moll BWV 1067 ein Querschnitt Bachscher Kompositionsfreude, in dem er französische und polnische Einflüsse umsetzte und der Konzertflöte eine dominante Stellung zuschrieb. Die gebürtige Ungarin Agnes Suszter meisterte homogen angepasst auch die Bachschen Komplikationen der Satztechnik und arbeitete die Tänze sauber heraus. Reinhard Ziegler, Agnes Suszter und die Konzertmeisterin Elisabeth Beuschle trugen samt Orchester die Suite. Der große Beifall der Zuhörer in der Stadthalle für die Solistin war verdient.

Mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 BWV 1048 bot das Orchester eines der bekanntesten Bachwerke. Das darin abschließenden Allegro im 12/8-Takt, ein einziger Rausch aus Sechzehntelläufen, wurde bestens gemeistert. Bach verwandelte darin ein Thema aus seiner Orgelpastorale BWV 590 in Virtuosität für Streicher.

In die Kompositionstechnik führten die ersten vier Sätze der Kunst der Fuge, BWV 1080, dem letzten Werk Bachs. Technisch anspruchsvoll fehlt diesem Werk die Seele, aber dafür können die Musiker nichts, denn es ist eher ein Lehrbuch für die musikalische Nachwelt. Das A und O in der Barockmusik waren Fugen, die Mehrstimmigkeit erzeugten und Ähnlichkeiten mit einem Kanon aufweisen. Das zeigte sich auch im Konzert für zwei Cembali, Streicher und basso continuo c-moll BWV 1062.

Bach hatte das Doppelkonzert für zwei Violinen d-moll BWV 1043 entsprechend umgearbeitet. Den Part der Cembalisten hatten am jeweiligen Flügel die Pianistin Gabriele König und ihr Schüler Thomas Duttenhöfner aus St. Georgen. Sie erfüllten souverän, einander ergänzend, dem Orchester immer zugewandt die Bachschen Vorgaben und erhielten nach einer sich von Bach abhebenden, modernen, virtuosen Zugabe viel Beifall. Man darf auf weitere interessante Konzertes des Kammerorchester St. Georgen gespannt sein.

Das Kammerorchester

Mit dem Namen Kammerorchester St. Georgen besiegelte das Orchester 2015 die Neuorganisation zu einem eingetragenen gemeinnützigen Verein. Ursprünglich besteht das Orchester bereits seit über sechzig Jahren. Das Kammerorchester St. Georgen ist offen für weitere interessierte Musiker. Geprobt wird regelmäßig montags von 20 Uhr bis 21.30 Uhr in der Jugendmusikschule St. Georgen. (lem)

Quelle: http://www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/st-georgen/Barockmusik-des-Kammerorchesters-St-Georgen-lockt-Zuhoerer-in-die-Stadthalle;art410944,8955267