Von Siegfried Kouba – St. Georgen/Königsfeld.
Schwarzwälder Bote

Das St. Georgener Kammerorchester eröffnete die 24. Gesundheitswoche mit bedeutenden Werken von Ludwig van Beethoven. Mediziner Johannes Probst pries die Wirkungen der »Musik als Medizin«. In Königsfeld glänzten die Akteure einen Tag zuvor im Kirchensaal.

Probst begrüßte in der Stadthalle eine große Schar an Zuhörern und griff die Frage Shakespeares auf, wozu den Menschen die Musik gegeben sei. Ihre Macht erkannten bereits die griechischen Philosophen. Spezielle Musik könne teils Medikamente ersetzen und auf Körper, Geist und Seele wirken. Die Gehirnsubstanz werde verändert und Lustzentren angeregt. Jeder Mensch habe Zugang zu Musik. Rhythmus und Tempo könnten energiegeladene Spannung erzeugen. Wer sich öffnete, konnte »eine Therapiestunde ohne Rezept« erleben. Die Empfindungsreize wurden schon mit der »Akademischen Festouvertüre« von Johannes Brahms geweckt. Das sinfonisch besetzte Orchester wurde sicher durch den sichtbar gut gelaunten Dirigenten Reinhard Ziegler geführt. Solenner Glanz wurde mit fast volkstümlicher Ausstrahlung, aber auch mit Erhabenheit von »Ich hab’ mich ergeben«, »Hört, ich sing« oder »Was kommt dort von der Höh’« vermittelt, gipfelnd im burschikos-jubelnden »Gaudeamus igitur«. Pianist formt expressives Gemälde Weniger fröhlich durch des Komponisten Situation war die große Sonate »Pathétique« gestimmt. Das schicksalsträchtige Werk wurde durch den Pianisten zu einem expressiven Gemälde geformt – ein Spagat zwischen Leid und männlicher Überwindung. Jochen Ferber spielte auswendig und leuchtete alle Facetten des tiefgehenden Opus 13 aus. Kraftvoll wurden Grave und Allegro angegangen, das Pedal nur soweit nötig benutzt, Kreuzungen elegant geformt, Emotionen mit markantem Anschlag ausgedrückt und Feuer bewiesen. Beeindrucken konnte der liedhafte Vortrag des Adagios, das wie eine Ballade im Erzählton gefühlvoll herüber kam, gelassene Ruhe, aber auch fiebrige Bewegung, innere Erregung und zarte Empfindungen spüren ließ. Das Thema des Kopfsatzes wurde im Rondo aufgegriffen. Mit pianistischer Kunstfertigkeit, raschem Tempo und großer Willenskraft wurde das Schlussallegro im grandiosen dynamischen Rahmen ausgeführt.
Einfühlungsvermögen und energischer Gestaltungswille des Pianisten wurde auch in Beethovens Klavierkonzert Nummer 3 deutlich. Beim Eingangssatz wurde das »Brio« entfacht, konnten klare Trillerketten gefallen und beeindruckte die Koordination von rechter und linker Hand. Romantisch gestimmt war das Largo, wobei jeder Notenwert ausgekostet wurde. Erfreulich agiert und reagiert das Orchester Erfreulich agierte und reagierte das Orchester. Die Streicher konnten sowohl abfedernd als auch fordernd kraftvoll musizieren und die Bläser bestachen mit ihrer Harmoniemusik. Eine Eigenheit wurde mit dem Quartett aus der Oper »Fidelio« geboten, ein Arrangement von Reinhard Ziegler für je zwei Oboen und Trompeten sowie Orchester. Jedermann konnte die Darbietung von Siegfried Weisser, Markus Färber, Christian Obergfell und Dominik Schäfer »so wunderbar« aufnehmen.

Quelle: Schwarzwälder Bote – Nr. 62 – Dienstag, 15. März 2016 / Ortsteil St. Georgen & Königsfeld