Eine großartige Bereicherung stellt die wunderbare Sopranstimme von Marlene Esser dar, wie sie sowohl beim Händel-Oratorium „Messias“ als auch beim „Elias“ etliche Male unter Beweis stellt. Foto: Kommert Foto: Schwarzwälder Bote

Zum 26. Male findet in St. Georgen die Gesundheitswoche statt. Eröffnet wurde sie in der Lorenzkirche mit einem Konzert des Kammerorchesters, in dem Initiator Johannes Probst Kontrabass spielt.

St. Georgen. “ Musik als Medizin“ lautet das Motto des Konzertes anlässlich der Gesundheitswoche, das mehr als 150 Musikliebhaber in die Kirche lockte. Georg Friedrich Händel und Felix Mendelssohn-Bartholdy waren die Komponisten, die Dirigent Reinhard Ziegler erwählt hatte – und vor allem mit Händels „Messias“ hatte sich das Orchester keine kleine Aufgabe vorgenommen. Auch die Ausschnitte aus dem Oratorium „Elias“ von Mendelssohn-Bartholdy gehören nicht gerade zu den Anfängerstücken, sondern stellen gewisse Ansprüche an die Musiker, die diese aber mit erstaunlicher Präzision meisterten. Mit starker Gestik hatte Ziegler das Orchester jederzeit im Griff.

Johannes Probst führt in die Thematik ein

Johannes Probst richtete aus Sicht des musizierenden Arztes und Organisators das Wort an die Konzertbesucher. „Wer fühlen will, muss hören“ sei das Motto der diesjährigen Einführung. Und wahrlich – das Konzert vermittelte Emotionen, weckte Gefühle.

Musik, so weiß der Mediziner, wecke stets eine Interaktion zwischen der Musik und der Stimmungslage – wobei man nicht immer dann traurig klingende Musik hören mag, wenn man tatsächlich auch traurig ist. Umgekehrt sei es aber auch nicht so, dass melancholische Musik die Stimmung nicht anheben könnte – man fühle sich sogar durch diese Musik eher verstanden, so der Mediziner. „Erstaunlich viele Menschen werden von Mozarts kleiner Nachtmusik entspannt, sie hat also anscheinend universelle Eigenschaften“, erzählte er.

„Das Lied, und wir hören heute Abend einige besonders schöne, ist die schlichteste Form der Lyrik, in der das menschliche Gefühl in seinen Stimmungen und Beziehungen eine reine und intensive Ausdrucksmöglichkeit findet“, fuhr er fort. Musik drücke aus, was nicht gesagt werden könne und worüber zu schweigen unmöglich sei, zitierte er Victor Hugo.

Und das belegte das Kammerorchester, das mit einem voluminösen Klangkörper angetreten war, ausgiebig. Engagiert hatte man ein Bläserensemble mit Fagott, zwei Oboen und einer Querflöte, dazu hatte sich für die Stücke von Händel der St. Georgener Kantor Jochen Kienle am Cembalo niedergelassen.

Mit dem Concerto grosso A-Moll, dem Largetto affetusoso, dem Allegro, dem Largo e ­pianoaus aus der Feder des berühmten Barock-Komponisten begannen die Musiker – eine wirklich feine und gelungene Interpretation dieses gewiss nicht leichten Werkes. Die Musiker riefen die ersten Beifallsstürme herauf.

Der „Messias“ als ­Ganzes hätte sicher den Rahmen gesprengt, daher beschieden sich die Musiker mit Ausschnitten, die aufs Allerbeste gesanglich unterstützt wurden.

Vater der Solistin Orchester-Mitglied

Die junge Sopranistin Marlene Esser, gebürtige Königsfelderin, lebt und arbeitet zwar als Konzertsängerin und Gesangspädagogin mittlerweile in Freiburg, doch ihr Vater sei Teil des Kammer­orchesters, war vom Vorsitzenden Ralph Richter zu erfahren.

Werke vom Barock bis zur Romantik

Daher ereilte sie der Ruf und sie kam und begleitete mit ihrer wunderbaren, wirklich professionellen Stimme Teile des Messias, so das „Rejoice greatly“, das Rezitativ „Then shall the Eyes“, das Duett „He shall feed his Flock“ sowie die Arie „I know that my Redeemer liveth“ wurden von ihr mit großer Ausdruckskraft vorgetragen und rief nach dem abschließend gespielten „Halleluja“ wahre Beifallsstürme hervor.

Vom Barock zur Romantik: Dieser große Schritt gelang mit einem Wechsel des Komponisten. Mendelssohn-Bartholdy war ein glühender Bewunderer der Werke Händels und Bachs, der aber durchaus auch eigene Werke komponierte. In seinem Adagio aus der Sinfonie Nr. 4, A-Dur kommt er allerdings Beethoven recht nahe. Meisterlich zeigten die Musiker, dass sie das Adagio zu interpretieren wissen. Doch die Ausschnitte aus Elias toppten diese noch deutlich – erneut hob sich aus einem sehr spielfreudig aufgelegten Orchester die Stimme der Sopranistin heraus.

„Sei stille dem Herrn und warte auf ihn“, „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ sowie mit dem triumphalen „Höre, Israel, höre des Herrn Stimme“ überzeugte sie ein durchaus fachkundiges Publikum, das letztlich mit begeistertem, anhaltenden Applaus eine Zugabe forderte. „Hebe deine Augen auf“, das so genannte Engelsterzett, beschloss einen wunderbaren Konzertabend.

Quelle: https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.st-georgen-wer-fuehlen-will-muss-hoeren.2ee8ed3a-bb28-448b-97ce-fff526d6d9b0.html